Startseite / Aktuelles arrow Laufberichte arrow Karstadt Marathon 2009  
Dienstag, 21. November 2017
Karstadt Marathon 2009

Karstadt-Marathon 2009 oder eine

Lanze für den Landschaftslauf

 

Schwager Christian, der der Liebe wegen am Wochenende zumeist in Oberhausen weilt, war der Initiator. „Mensch, lass uns doch mal den Karstadt-Marathon von Oberhausen nach Dortmund  laufen. Da gehen wir am Abend vorher schön los und pennen können wir bei Karin“. Gesagt getan und in Michael Pollmeier, den man ja bekanntlich nicht lange zu Wettkämpfen bitten muß, fanden wir noch einen dritten Mann.

 

2003 hatten wir bereits am 1. Karstadt-Marathon, damals von Bochum-Wattenscheid nach Dortmund teilgenommen. Der Lauf hatte seinerzeit einige organisatorische Pannen, aber man soll ja jedem eine zweite Chance geben.

 

So fuhren wir tags zuvor von unserem Quartier in Oberhausen-Osterfeld nach Essen um unsere Startunterlagen abzuholen. Die in der Ausschreibung angegebene Adresse passte leider nicht so ganz und so stellten wir unser Fahrzeug erst einmal im nächsten Parkhaus ab. Nach 20 Minuten Fußmarsch und etlichen Nachfragen fanden wir dann das Messezelt auf einem schäbigen Bahngelände. Die Startnummernausgabe funktionierte gut und die Messe war recht übersichtlich, bestand sie doch zu 50 Prozent aus einem Stand der Firma Karstadt Sport.   

 

Der Karstadt-Marathon bezeichnet sich als weltweit einziger Twin-Marathon, d.h. 2 Startorte (Dortmund und Oberhausen), die Strecken treffen in Gelsenkirchen zusammen und führen dann gemeinsam zum Ziel nach Essen. Es gibt natürlich für beide Strecken eine getrennte Wertung. Außerdem gab es noch eine Halbmarathon von  Gelsenkirchen nach Essen und diverse Walking und Schulwettbewerbe.

 

Nach einigen Reinfällen hat man in diesem Jahr den Organisator gewechselt, der der Veranstaltung nun zu neuem Schwung und mehr Beachtung verhelfen soll. Auch der Aufwand war gewaltig, in jedem Karstadt-Haus fand man großflächige Werbung. Die Teilnehmerliste reichte von Comedian Kurt Krömer, über die Schalke Legende Olaf Thon bis hin zu Manager Schwergewicht Rainer Calmund. „Iron Cally“ hat unter seinem Trainer Joey Kelly neun Monate trainiert um den Halbmarathon zu walken und dabei 30 kg abgenommen. Vorweg genommen, er erreichte sein Ziel. Wer ihn dabei gesehen hat, wird jedoch bestätigen, dass das noch ausbaufähig ist.

 

Der Startbereich in Oberhausen war direkt an der historischen Zeche Osterfeld, für uns bequem zu Fuß zu erreichen. Leider verzögerte sich der Startschuß (10:30 Uhr) um unerträgliche 35 Minuten, die wir im strömenden Regen warten mussten. Da hätte man sich das Aufwärmen wohl sparen können. Wie sich später herausstellte hatte die Polizei die Strecke nicht freigegeben, da sie vom Veranstalter nicht wie im Vorfeld besprochen gesichert war. Der Start in Dortmund verzögerte sich gar um 55 Minuten, so etwas darf natürlich bei einem professionellen Veranstalter nicht passieren.

 

Die Strecke verlief  von Oberhausen aus durch die Stadtkerne von Gladbeck und Bottrop an der „Arena auf Schalke“ und der Zeche Zollverein vorbei zum Limbecker Platz nach Essen. Insgesamt bekam man viel Ruhrgebiet zu sehen und Zuschauer waren trotz Dauerregen auch jede Menge am Rand. Ein ödes ca. 5 km langes Teilstück auf einer abgesperrten Bundesstraße irgendwo zwischen Kilometer 22 und 30 soll hier aber auch nicht verschwiegen werden. Das Ruhrgebiet ist ja bekanntlich nicht brettflach, insgesamt hatte die Strecke ca. 250 Höhenmeter, wobei die zweite Hälfte etwas anspruchsvoller war. Die Verpflegung unterwegs war ausreichend und in Abständen von ca. 4 Kilometern.

 

Angetrieben vom vorabendlichen Zwiebelschnitzel und 2 Litern Erdinger mit Geschmack versuchte ich einen 4:45er Schnitt zu laufen, was mir bis ca. Kilometer 37 auch gelang. Dann büsste ich von Wadenkrämpfen geschüttelt noch etwas Zeit ein und erreichte nach 3 Stunden und 26 Minuten das Ziel. Das nächste Mal bleiben die Kompressionssocken im Schrank. Michael Pollmeier war mir dicht auf den Fersen und erreichte 26 Sekunden später das Ziel. Christian Füchtenschnieder dachte sich „wenn man schon mal auf Schalke läuft“ und finishte seinen ersten Marathon nach 2 Jahren Pause in beachtlichen 4:04:29. 

 

Im Ziel angekommen freuten wir uns auf die groß angekündigte Verpflegungsmeile, die jedoch mittlerweile eher einer Müllkippe glich. Die Halbmarathonläufer waren bereits um 8:30 Uhr gestartet und zwischendurch hatte es wohl keiner der wenig motivierten, zumeist jugendlichen Helfer für nötig befunden mal etwas aufzuräumen. Also schnell das nötigste rein und weiter. Zur Kleiderbeutelausgabe mussten wir dann noch 20 Minuten bergauf zu anfangs erwähntem Bahngelände laufen. Die Duschzelte befanden sich auf einem Schotterparkplatz, die Umkleiden hatten keinen Boden, einfach ein erbärmliches Ambiente. 

 

Trotz großem Werbeaufwand nur 2300 Marathon-Finisher und eine katastrophale Organisation.Viele Teilnehmer werden wohl im nächsten Jahr nicht wiederkommen. Der Fortbestand des Karstadt-Marathon scheint genauso ungewiss, wie der seines Namensgebers.

 

Fazit: Wer, wie ich, liebevoll organisierte Landschaftsläufe wie in Monschau, Bad Pyrmont oder im Siebengebirge schätzt, der sollte um den Karstadt-Marathon einen großen Bogen machen. Wer trotzdem einen Marathon im Ruhrgebiet laufen möchte, dem seien der Marathon um den Essener Baldeneysee und der Botropper Herbstwaldlauf wärmstens empfohlen.

 

Franz Lakämper
 

 

 
< zurück   weiter >